Übung "Wie im richtigen Leben..." Anleitung

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Übung "Wie im richtigen Leben..." Anleitung

Beitrag  Johannes am Mo Jun 23, 2008 1:13 pm

Wie im richtigen Leben ...

Ziele

Sich probeweise in die Rolle von Schwachen und Starken in der Gesellschaft hineinzuversetzen. Die ungleiche Verteilung von Rechten und Chancen (nach Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe, Alter, Gesundheit...) und ihre Auswirkungen im Leben herausarbeiten; Erfahren, wie Rassismus und Diskriminierung die Entfaltungsmöglichkeiten eines Menschen beschneiden.

Zeit
Circa 60 Minuten

Gruppengröße
6-16 TeilnehmerInnen

Material
Für jedeN TN eine vorbereitete Rollenkarte und für die Druchführung vorbereitete Spielfragen

Ablauf
Die TN stellen sich nebeneinander auf und müssen mind. 8-10 Gehschritte nach vorne gehen können. Alle erhalten ein vorbereitetes Rollenkärtchen, auf die sich jedeR innerlich einstellt. Bitte darauf achten, dass MigrantInnen keine MigrantInnenrollen erhalten, da sie dieses „Spiel“, die Erfahrung von ihrem wirklichen Leben schon kennen, kann aufwühlen. Die Spielleitung stellt eine Reihe von Fragen. JedeR soll nach jedeR Frage überlegen, ob er /sie in seiner/ihrer Rolle die Frage mit „ja“ oder „nein“ beantworten möchte. „Ja“ heißt einen Schritt vorwärts gehen, „Nein“ bedeutet stehen bleiben. Es geht dabei u eine subjektive Einschätzung, die wichtiger ist als Wissen und sachliche Richtigkeit. Nach jeder Fragestellung werden von der Spielleitung 3 TN interviewt, warum er/sie einen Schritt nach vorn gegangen bzw. stehen geblieben sind. Darauf achten, dass alle RolleninhaberInnen zu Wort kommen. Wenn die TN das erste Mal sprechen, auch sagen, welche Rolle sie spielen.

Erste Auswertung
In seiner/ihrer Rolle an seinem/ihrem Standort, im Stehen durchführen.
Wie hast Du Dich in Deiner Rolle gefühlt?
Wie ist es, als ErsteR am Ziel zu sein? (sinngemäß„…in der Mitte der Gesellschaft zu sein“)?
Wie st es, immer nicht voran zu kommen?
Danach: TN gehen aus ihren Rollen durch „Ausschütteln“, „ich heiße…“ reihum.

Zweite Auswertung
Im Plenum findet der zweite Teil der Auswertung statt. Die Spielerfahrung soll nun mit der Realität verglichen werden, es soll ein Transfer in die hiesige Gesellschaft gemacht werden.
Was habt ihr über die Lebensbedingungen von verschiedenen Gruppen in der Gesellschaft erfahren? Was war euch unklar? Warum kommen Menschen voran bzw. nicht voran? Bedeutung von Pass, Hautfarbe, Geschlecht, Religion, sozialer Status, Alter, sexuelle Orientierung…)
Ergebnisse der Diskussion sollen schriftlich festgehalten werden (Flipchart, Wandzeitung)

Alternative
Das Spiel kann gespielt werden, ohne dass die TN sich seine/ihre Rollen verraten. In diesem fall werden erst alle Schritte gemacht und dann über mögliche Gründe diskutiert.


Quelle
Baustein zur nicht-rassistischen Bildungsarbeit. DGB-Bildungswerk Thüringen e.V. (verkürzte Version)
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Johannes

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Übung "Wie im richtigen Leben..." Spielfragen

Beitrag  Johannes am Mo Jun 23, 2008 1:15 pm

Spielfragen:

Kannst du einen Urlaub in Deiner Heimat/ oder Herkunftsland deiner Eltern verbringen?
Kannst du Deinen Wohnort frei wählen?
Kannst du sicher sein, von Sprüchen wie: "Du bist gar nicht so wie die anderen", "Macht man das bei Euch auch so" verschont zu bleiben?
Könntest Du bei einer russischen oder türkischen Unternehmensgruppe den Empfang führen in mehreren Sprachen?
Kannst du 5 Jahre im voraus planen?
Kannst du abends unbesorgt alleine spazieren gehen?
Kannst du davon ausgehen, dass Du von deinen Kolleginnen als gleichwertig und ohne Vorbehalte akzeptiert wirst?
Kannst du beim Versuch einen Diebstahl anzuzeigen, faire Behandlung von der Polizei erwarten?
Kannst du ohne Probleme in jede Disko kommen?
Kannst du zahnärztliche Behandlung bekommen, wenn Du sie möchtest?
Konnten alle Lehrer/innen mit denen Du bisher zu tun hattest, Deinen Nachnamen fehlerfrei aussprechen? (bei Nein, nachfragen: Stört Dich das?)
Wenn ein deutscher Unternehmer Dich und einen (anderen) Abiturienten zum Vorstellungsgespräch einlädt, liegen dann Deine Chancen bei 50% genommen zu werden?
Wenn alle einen Witz erzählen, verstehst Du ihn und kannst mitlachen?
Kannst Du bei der nächsten Kommunalwahl wählen?
Haben Dich rechtsradikale Skinheads schon einmal angepöbelt?
Haben Deine Eltern Arbeit?
Kannst du davon ausgehen, dass Du von deinen Kolleginnen als gleichwertig und ohne Vorbehalte akzeptiert wirst?
Kannst du davon ausgehen, dass sich deine Herkunft, dien Glauben, dein Geschlecht oder dein Äußeres in einem Auswahlgespräch nicht nachteilig auswirken?
Kannst du davon ausgehen, dass deine Fremdsprachenkenntnisse und/oder deine Auslandsaufenthalte gewürdigt wereden-als Kompetenz anerkannt werden?
Kannst du innerhalb der EU deinen Arbeitsplatz frei wählen?
Kannst du davon ausgehen, dass dir wichtige Informationen in deiner Muttersprache übermittelt werden?
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Johannes

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Übung "Wie im richtigen Leben..." Rollen

Beitrag  Johannes am Mo Jun 23, 2008 1:17 pm

Rollenkarten


Tatjana Jewgeniskowa;Russlanddeutscher Herkunft mit geringen deutschen aber sehr guten russischen Sprachkenntnissen, 25 Jahre, in Kasachstan Studentin der Medizin, jetzt Reinigungskraft

Arthur Fleiderer;32 Jahre, Russlanddeutscher Herkunft mit guten deutschen und russischen Sprachkenntnissen, spielt in der Landesligamannschaft Fußball

Gülay Ganikayogul;Aus türkischstämmiger Familie, Kopftuchträgerin, mit sehr guten deutschen und sehr guten türkischen Sprachkenntnissen, hat nur türkische Freundinnen

Ahmed Sarikaya;Türkischer Herkunft, mit guten deutschen und weniger guten türkischen Sprachkenntnissen, Lese-Rechtschreibschwäche

Manuela Bsirski;34 Jahre, deutscher Herkunft mit sehr guten Sprachkenntnissen, stottert, lernbehindert, keine weitere Fremdsprache, ledig

Dennis Slama;Deutscher Herkunft, gerade fertiger Abiturient im Zivildienst, gute Kenntnisse in französisch

Hassan al Marghouti;18-jähriger marrokanischer Hilfsarbeiter mit Hauptschulabschluss, spricht halbsprachig deutsch, hat eine deutsche Freundin

Michaela Münziger;27-jährige arbeitslose Arzthelferin aus Thüringen, Punk, wohnsitzlos, lebt überwiegend auf der Straße von Spenden

Sat Pal Singh; 23-jähriger Informatik-Student aus Indien, fließend Englisch, wenig deutsch

Jana Marvakis; Griechische Abiturientin, spricht gutes aber nicht akzentfreies Deutsch, Tochter einer etablierten mittelständischen Familie

Elvira Avdijaj; 16-jährige Tochter einer vor 10 Jahren aus dem Kosovo geflohenen Familie, seit Jahren nur geduldet ist, Einser-Schülerin, Vater hat Gelegenheitsjobs

Reza Amhari; 35-järige Reinigungskraft, iranischer Flüchtling, seit 5 Jahren in Deutschland, laufendes Asylverfahren, ledig

Aynur Arslan;23-jährige Bankkauffrau türkischer Herkunft, Muslimin, trägt kein Kopftuch, ledig

Ruzsa Shej; Sinti, betreibt ein kleines Fahrgeschäft auf Jahrmärkten, spricht neben deutsch noch vier weitere Sprachen, vereiratet, vier Kinder

Claudia Müller; 35-jährige ledige deutsche Krankenschwester, verschuldet, ein Kind

Franz-Xaver Hinrichs; Lehrer und Kommunalpolitiker, deutsch, sehr bekannt, verheiratet

Nana Kollias;Griechin, Besitzerin eines griechischen Restaurants, verheirtatet, zwei erwachsene Kinder

Maria Huber;40-jährige schwarze Deutsche, Tochter einer deutschen Mutter und eines us-amerikanischen Vaters, Grundschullehrerin, 2 Kinder

Anthony Nyantakyi;Asylbewerber aus Ghana, lebt in einer Unterkunftsanlage am Stadtrand

Ann Miller; erfolgreiche Geschäftsfrau, US-Amerikanerin, spricht mit amerikanischem Akzent

Miriam Rosenthal;19-jährige jüdische Schülerin der 12.Klasse in einer westdeutschen Kleinstadt

Melanie Geiger; Schwarze Realschülerin mit deutscher-amerikanischer Herkunft

Kevin Maier; Abiturient deutscher Herkunft, blind, wenig benutze gute Kenntnisse in Englisch
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Johannes

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